Todesfahrer von Eppendorf muss vor die Große Strafkammer

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Vier Menschen starben bei dem schweren Unfall im März (Bild: dpa)

Vier Menschen starben bei dem schweren Unfall im März (Bild: dpa)

Dem Todesfahrer von Eppendorf wird wegen fahrlässiger Tötung in vier Fällen der Prozess gemacht. Das gab die Staatsanwaltschaft Hamburg am Montag bekannt. Darüber hinaus wird gegen Alexander S. (39) wegen fahrlässiger Körperverletzung in drei Fällen sowie vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung verhandelt. „Wegen der besonderen Bedeutung des Falles hat die Staatsanwaltschaft Anklage vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg erhoben“, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers.

Laut Abschlussbericht der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte am 12. März 2011 gegen 16.45 Uhr mit seinem Fiat Punto auf der Eppendorfer Landstraße in Richtung Eppendorfer Baum – in Kenntnis einer bereits seit mehreren Jahren vorhandenen Epilepsieerkrankung – unterwegs gewesen sein. Unmittelbar vor der Kreuzung soll er einen akuten Krampfanfall erlitten und deshalb die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren haben. Er geriet mit seinem Fiat auf die Gegenfahrbahn und fuhr mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 km/h bei Rotlicht auf die Kreuzung. Dort kollidierte er mit dem VW Golf der Eheleute Ulla und Peter Striebeck.

Das daraufhin schleudernde Fahrzeug des Beschuldigten überschlug sich, prallte gegen einen Fußgängerpoller und erfasste zunächst die dahinter auf dem Fußweg stehenden Sibylle Mues und Angela-Maria Kurrer, prallte im weiteren Verlauf auf Günter Amendt sowie eine weitere Passantin und begrub schließlich den neben Amendt stehenden Dietmar Mues unter sich. Die Eheleute Mues und Günter Amendt verstarben noch am Unfallort. Angela-Maria Kurrer erlag wenig später im UKE ihren schweren Verletzungen. Die Eheleute Striebeck und die Fußgängerin erlitten leichte Verletzungen.

Der Beschuldigte hat sich während der Ermittlungen über seinen Verteidiger dahingehend eingelassen, dass er trotz seiner Erkrankung rechtmäßig am Straßenverkehr habe teilnehmen dürfen; die Gefahr eines Unfalls sei für ihn unvorhersehbar gewesen. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: „Der Beschuldigte wusste um seine Krankheit und kannte aufgrund vorheriger Verkehrsunfälle das Risiko, das er mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs einging“, sagt Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Im Fall einer Verurteilung drohen Alexander S. bis zu fünf Jahre Haft.


Franziska Coesfeld


Acht Monate später: Wie sehr beschäftigt der Unfall die Eppendorfer heute noch?

Noch immer erinnern Blumen an den tragischen Unfall (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Noch immer erinnern Blumen an den tragischen Unfall (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Äußerlich erinnert nur noch wenig an das schreckliche Ereignis, doch auch noch heute scheint der Unfall die Eppendorfer sehr zu beschäftigen.

Christiane Siebers, 38, Anwohnerin:

Ich bekomme heute immer noch Gänsehaut, wenn ich an den Unfall denke. Ich habe das alles von meinem Balkon aus gesehen und gehe hier jeden Tag vorbei. Besonders schrecklich ist die Vorstellung, dass es genauso gut mich hätte treffen können. Die Leute rasen an dieser Kreuzung immer entlang, das ist gerade für Fahrradfahrer wie mich sehr gefährlich. Meiner Meinung nach muss hier ein Kreisverkehr zur Verkehrsberuhigung entstehen.

Florian Ridder, 21, Koch:

Ehrlich gesagt beschäftigt mich der Unfall mittlerweile nicht mehr so sehr. Direkt danach haben wir auf der Arbeit natürlich schon viel darüber geredet. Wenn man dabei gewesen ist, denkt man da sicher noch sehr häufig dran. Trotzdem glaube ich, dass ein Kreisverkehr keine schlechte Idee wäre.

Claudia Seehaus, 36, Physiotherapeutin:

Ich selber habe den Unfall nicht direkt mitbekommen. Trotzdem beschäftigt mich das Thema auch jetzt noch. Diese Kreuzung ist seitdem ein gezeichneter Ort und jedes Mal wenn ich dort vorbeigehe, macht mich das noch immer sehr betroffen.


An dieser Kreuzung ereignete sich der Unfall vor acht Monaten

An dieser Kreuzung ereignete sich der Unfall vor acht Monaten

Monika D., 62, Rentnerin:

Ich glaube, dass auch heute noch sehr viele Eppendorfer an diesen Unfall denken. Natürlich hätte es überall passieren können, aber das Tragische ist, dass dieses Mal auch Menschen dabei ihr Leben verloren haben. Irgendwo bin ich trotzdem erleichtert, dass dort mittlerweile nicht mehr so viele Blumen liegen. Gerade die vergammelten und verwelkten Blumen haben so einen trostlosen Eindruck gemacht. Ich glaube, dass eine dreißiger Zone vielleicht dabei helfen könnte, den Verkehr hier besser zu regulieren.

Andreas Heine, 53, Kaufmann:

Obwohl der Unfall schon acht Monate her ist, denke ich noch häufig daran. Meiner Meinung nach war es einer der schwerwiegendsten Unfälle, den Hamburg je erlebt hat. Außerdem arbeite ich nur fünf Minuten entfernt und komme deshalb fast täglich hier vorbei. Die ganze Ecke ist gefährlich, letztens hätte ein Bentley-Fahrer hier beinahe wieder einen Unfall gebaut.

M. Ahlers, 51, Anwohnerin:

Mir steckt der Unfall auch heute noch in den Knochen. Diese Kreuzung ist generell gefährlich. Ich bin hier schon einmal mit einem Fahrradfahrer zusammengestoßen. Außerdem stand der Fahrer des Unfallwagens unter Tabletteneinfluss. Es erschüttert mich, dass er als Epileptiker, der schon vorher Unfälle verursacht hat, noch immer Auto fahren darf. Ich finde, dass man da härter durchgreifen muss.

Peter N., 67, Mitglied des Eppendorfer Bürgervereins:

Dieses Ereignis beeinflusst mich noch immer erheblich in meinem Alltag. Zur Zeit des Unfalls war ich nicht in Hamburg. Trotzdem bleibt mir der Unfall sehr stark in Erinnerung. Es wird ja auch jetzt noch darüber diskutiert, ob ein Denkmal für die Todesopfer errichtet werden soll. Ich denke, dass eine Verkehrsberuhigung hier sinnvoll wäre.

Ina Hieronimus und Antonia Eser-Ruperti

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