Schnapszahl-Hochzeiten am 11.11.2011: Diese Paare haben in Eppendorf „Ja“ gesagt

{lang: 'de'}

Im Standesamt in Eppendorf wurden am Freitag weitaus mehr Paare als sonst getraut (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Im Standesamt in Eppendorf wurden am Freitag weitaus mehr Paare als sonst getraut (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Freitag, der 11.11.2011. Das ist das vorletzte sogenannte „Schnapszahldatum“ in diesem Jahrhundert. Für viele Paare haben diese Daten eine besondere Bedeutung. Die einen glauben, an so einem Tag zu heiraten bringe Glück, andere hoffen sich so ihren Hochzeitstag besser merken zu können.

Der Aberglaube mancher geht jedoch noch weiter: Am 9.9.2009 heirateten in Los Angeles neun Paare an der 9. Kasse eines 99 Cent-Supermarktes.

Die Faszination dieser Daten lässt sich auch psychologisch erklären: „Einige Menschen wollen in bestimmten Dingen Zeichen entdecken, die ihnen Sicherheit in ihrem Alltag geben“, erläutert Diplom-Psychologe Michael Thiel das Phänomen. Auch in den meisten Hamburger Stadtteilen heiraten am 11.11. durchschnittlich mehr Paare als an anderen Tagen – so auch in Eppendorf.


Die Überbleibsel einer kleinen Feier im Standesamt

Die Überbleibsel einer kleinen Feier im Standesamt

Schon lange ist das Standesamt Hamburg-Nord ausgebucht. An diesem Freitag werden Paare im 30-Minuten Takt getraut. „Wir hatten weitaus mehr Anmeldungen als an `normalen’ Tagen. Zwischen 8:00 und 12:30 Uhr trauen wir 17 Paare in zwei Trauzimmern, normalerweise nutzen wir nur ein Trauzimmer“, erklärt Katja Glahn, Pressesprecherin vom Bezirksamt Nord.

In dem Vorraum des Standesamtes drücken sich die Hochzeitspaare die Klinke in die Hand. Auf dem Gang wird angestoßen und Sekt getrunken, vor der Tür spielen Straßenmusikanten, während die frisch Vermählten mit Reis und Blumen beworfen werden.

Diana, 44, und Martina, 46, sind eines der Paare, die am Freitag den 11.11 im Bezirksamt-Nord heiraten. Sie konnten sogar den begehrten 11-Uhr-Termin ergattern. Schon vor 13 Jahren haben sich die beiden Frauen an ihrem Arbeitsplatz kennengelernt.

Vom ersten Antrag – den hatte Martina Diana schon vor 12 Jahren gemacht – bis zur Hochzeit verging viel Zeit. Die Gesetzte für homosexuelle Ehen waren jedoch noch nicht angeglichen worden, deshalb zögerte Diana lange. Jetzt wollen die beiden den Schritt aber wagen: „Die Hochzeit ist das i-Tüpfelchen unserer Beziehung. Dass wir den Rest unseres Lebens zusammen verbringen wollen, war schon früh klar. Eine Ehe festigt eine Partnerschaft und macht sie noch verbindlicher als vorher“, erklären die beiden einstimmig.

Im Frühjahr dieses Jahres haben sie sich dann dazu entschieden, zu heiraten. Ursprünglich hatten sie sich den 11.11 gar nicht ausgesucht, weil es ein „Schnapszahldatum“ ist. Der Grund war ein ganz anderer: „Wir wussten im April schon, dass wir ab dem 12.11 Urlaub haben würden. Deshalb war klar, dass wir am 11.11 heiraten wollen“, begründet Diana.


Diana (l.) und Martina haben um 11 Uhr geheiratet

Diana (l.) und Martina haben um 11 Uhr geheiratet

Vor genau einem halben Jahr, am 12. Mai, riefen sie im Bezirksamt-Nord an, um sich anzumelden. Der 11-Uhr-Termin war noch frei. „Als wir das gehört haben, dachten wir uns: Wenn wir schon am 11.11 heiraten, können wir das doch auch gleich um 11 Uhr machen, als eine Art Glücksbringer“, erklärt Diana.


Das Paar glaubt an die Zahlensymbolik. „Die 11 ist eine Kardinalszahl in der Numerologie, sie ist eine Glückszahl“, meint Martina.

Viele der Freunde fragten, ob Martina und Diana Karnevalsfans wären und deshalb an diesem Tag heiraten wollen. „Diese Reaktion haben wir viel öfter bekommen, als dass Leute gesagt haben, es wäre ein Glücksbringer“, erzählen sie.

Ihr Glück wollten sie auch mit einem Ritual aus der Naturreligion besiegeln: Die Freunde des Paares sollten ihre Wünsche für das Paar in ein Band einflechten. Das Band wird dann um die Hände der beiden gebunden. Dieser Brauch soll ihnen Glück für die Ehe bringen.


Bei der Hochzeitsfeier haben die Gäste ihre guten Wünsche für die Ehe in ein Band eingeflochten

Bei der Hochzeitsfeier haben die Gäste ihre guten Wünsche für die Ehe in ein Band eingeflochten

Da Diana und Martina schon immer davon geträumt hatten, direkt vom Standesamt aus in die Flitterwochen zu fahren, musste die Hochzeitsfeier vor der Trauung stattfinden. Der Empfang fing deshalb schon um 9:15 in der Pizzeria Mario, gegenüber vom Bezirksamt statt. Direkt nach der Trauung um 11 Uhr ging es zum Flughafen. Das Ziel der Reise ist Südafrika.

Es gibt auch andere Beweggründe für Paare am 11.11 zu heiraten. Der Ire Danny McDyer, 61, heiratet die 20 Jahre jüngere Petra Hell. Das Paar nennt zwei Gründe, warum es sich diesen Tag ausgesucht hat: „Meine Frau ist Deutsche, und hier soll dieses Datum ja vermutlich Glück bringen. Außerdem ist der 11.11 in Großbritannien der Tag, an dem wir uns an das Ende des ersten Weltkrieges erinnern“, erklärt Danny McDyer.

Ein anderes junges Paar hat sich den 11.11 ausgesucht, weil der gemeinsame kleine Sohn an diesem Tag seinen ersten Geburtstag feiert.

Am 12.12.2012 haben zukünftige Ehepaare zum letzten Mal in diesem Jahrhundert die Chance, ein „Schnapszahldatum“ als Glücksbringer oder Erinnerungsstütze zu nutzen.

Antonia Eser-Ruperti


Lesen Sie auch: Schnapszahl Hochzeiten am 11.11.2011: Diese Paare haben in Ottensen „Ja“ gesagt

{lang: 'de'}
Be Sociable, Share!
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Schnapszahl-Hochzeiten am 11.11.2011: Diese Paare haben in Eppendorf „Ja“ gesagt

  1. Pingback: Schnapszahl-Hochzeiten am 11.11.2011: Diese Paare haben in Ottensen „Ja“ gesagt | Hamburg Ottensen

Kommentare sind geschlossen.