Senat schafft autofreien Sonntag ab

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Radfahrer am autofreien Sonntag auf der Kennedybrücke (Bild: dpa)

Radfahrer am autofreien Sonntag auf der Kennedybrücke (Bild: dpa)

Der autofreie Sonntag in Hamburg wird abgeschafft. Der für den 19. Juni bereits geplante Aktionstag fällt aus. Das bestätigte Volker Dumann, Sprecher der zuständigen Umweltbehörde, auf Abendblatt-Anfrage.

Der autofreie Sonntag, an dem Busse und Bahnen innerhalb des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) kostenlos genutzt werden können, wurde im Januar 2008 eingeführt. Insgesamt gab es sieben solcher Sonntage mit Straßenaktionen, Informationsständen und Unternehmungen rund um Klimaschutz, Energiesparen und neuer Mobilität. Doch dies alles sei bei den Autofahrern nicht auf die gewünschte Akzeptanz gestoßen. “Es waren kaum weniger Pkws auf den Straßen als an anderen Tagen. Dadurch wurde auch das Ziel nicht erreicht, dass erheblich weniger CO2 ausgestoßen wird”, sagte Dumann. Deshalb mache es auch keinen Sinn mehr, weiterhin an diesem Konzept festzuhalten, so der Behördensprecher.

Das Aus ist überraschend, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Hamburg in diesem Jahr Europäische Umwelthauptstadt ist. Aber ausschlaggebend für die Absage waren wohl die Kosten. Der letzte autofreie Sonntag am 20. Juni 2010 hatte anstatt der im Haushalt eingeplanten 375 000 Euro schließlich mehr als eine halbe Million Euro gekostet. Auch für den 19. Juni waren 375 000 Euro bereits eingeplant. Behördensprecher Dumann räumte ein: “Es ist bekannt, dass die Stadt sparen muss. Da der autofreie Sonntag nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, wäre eine Fortführung nicht vertretbar gewesen.”

Auf die Absage reagierte GAL-Fraktionschef Jens Kerstan mit einem Appell: “Ich fordere Bürgermeister Olaf Scholz auf, den Titel Europäische Umwelthauptstadt zurückzugeben.” Seitdem die SPD regiere, werde die Umweltpolitik ersatzlos abgewickelt. Das sei ein Armutszeugnis für Hamburg, so Kerstan weiter.

Auch CDU-Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse übte scharfe Kritik: “Diese Entscheidung ist ein Offenbarungseid für die Europäische Umwelthauptstadt 2011. Mit etwas mehr Kreativität hätte man das Konzept perfektionieren können und neue Sponsoren gewinnen können, um die Kosten zu senken.”

SPD-Politiker Ole-Thorben Buschhüter, der Vorsitzender des Verkehrsausschuss der Bürgerschaft ist, erklärt: “Nachdem beim letzten autofreien Sonntag die Kosten förmlich explodiert sind, war klar, dass wir uns so etwas nicht mehr leisten können.” Für Buschhüter steht fest: “Wenn die Mittel weiterhin für den Klimaschutz ausgegeben werden sollen, gibt es sicherlich Projekte, wo dies sinnvoller und zielgerichteter geschehen könnte.”

In der Umweltbehörde gibt es bereits Pläne für eine Nachfolgeveranstaltung. Das bestätigte Sprecher Dumann: “Wir werden noch in diesem Jahr etwas auf die Beine stellen, das Hamburg als Europäische Umwelthauptstadt gerecht wird. An dem Konzept wird zur Zeit noch gearbeitet.”

Ulrich Gaßdorf

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