UKE-Chef Debatin geht mit einem Lächeln

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Demonstrativ gut gelaunt: der scheidende UKE-Chef Jörg Debatin bei seiner Pressekonferenz gestern (Bild: dpa)

Demonstrativ gut gelaunt: der scheidende UKE-Chef Jörg Debatin bei seiner Pressekonferenz gestern (Bild: dpa)

„Egoistisch“ möge es klingen, sagt Jörg Debatin, doch mit seiner Entscheidung, vorzeitig das Amt des Chefs der Uniklinik Eppendorf zu räumen, folge er auch einer „persönlichen Gefühlslage“. Hinter dem 49-Jährigen hängt ein Foto des Klinikgebäudes, das unter seiner Regie entstand. Dass er demonstrativ nach vorne schaut, ist bezeichnend für die eilig einberufene Pressekonferenz. „Ich bin stolz auf das UKE“, sagt er mit breitem Lächeln. „Und ein bisschen auch auf mich selbst.“

Nach achtjähriger Amtszeit, ein Jahr bevor sein Vertrag ausläuft, wechselt Debatin zum 30. September nach Göttingen, um den Labordienstleister amedes AG zu leiten. Dieses Unternehmen hat 2100 Mitarbeiter, beim UKE sind es mehr als 8000. Doch der Arzt und Manager ist ebenso bemüht wie der SPD-Senat, zu betonen, dass diese Entscheidung keinen politischen Hintergrund habe. Bereits seit einem Jahr habe er sich nach neuen Aufgaben mit „mehr kaufmännischer Verantwortung“ umgeschaut. Headhunter hätten „im Wochentakt“ bei ihm angerufen, sagte Debatin im Gespräch mit dem Abendblatt. Im vergangenen Herbst habe er angefangen, auf die Angebote zu reagieren. „Mit dem Regierungswechsel hat meine Entscheidung nichts zu tun.“

Es gilt aber als wahrscheinlich, dass sein Vertrag unter dem SPD-Senat nicht verlängert worden wäre. Das sieht Debatin anders: „Ich habe keinerlei Anhaltspunkte dafür.“ Wurde ihm der Abschied mit Geld versüßt? „Mein Vertrag sieht ein Übergangsgeld vor, auf das ich verzichtet habe“, sagte der Arzt. Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD), die als Oppositionspolitikerin oft auf Konfrontation zu Debatin ging, dankte ihm für die „konsequente Neuordnung“ des UKE. Zuletzt hatte die Klinik bundesweit Anerkennung erworben, weil sie während der EHEC-Krise hohe medizinische und organisatorische Qualitäten bewies.

Die CDU, in der Debatin Mitglied ist, wirft der SPD dagegen vor, Leistungsträger zu „vergraulen“: Der Weggang von Debatin sei ein „weiterer Beleg für den Schaden, den der SPD-Senat innerhalb kürzester Zeit im Hochschulbereich angerichtet hat“, sagte Fraktionschef Dietrich Wersich – derzeit protestieren Hochschulchefs gegen Sparmaßnahmen an der Wissenschaft. Auch die FDP, auf deren Wahlparty im März Debatin gesichtet wurde, protestierte: Der Abgeordnete Wieland Schinnenburg sagte: „Es ist offensichtlich, dass Senatorin Stapelfeldt alles getan hat, um Professor Debatin loszuwerden.“ Fest steht, dass die SPD das Kuratorium des UKE neu besetzte und Debatin dagegen öffentlich protestierte. Das fiel auf, schließlich kann sich ein Chef seinen Aufsichtsrat nicht aussuchen. Nun sind einige Wirtschaftsvertreter, darunter Michael Eggenschwiler (Flughafen Hamburg), nicht mehr im Gremium vertreten. Das ließ die Chancen für Debatins Wiederwahl sinken. Spätestens seitdem spekulierten auch Kollegen am UKE über seinen Weggang.

„An einem entscheidenden Entwicklungspunkt“ sieht der unabhängige Deutsche Wissenschaftsrat die Uniklinik. Die Experten loben Erfolge, etwa die „beachtliche“ Menge an Fördermitteln und Auszeichnungen. Was auffällt, ist der mehrfache Appell, dass diese Tatsache bei einem Uniklinikum auch für die Forschung nutzbar gemacht werden müsse. „Der Wissenschaftsrat empfiehlt nachdrücklich, eine Strategie zur Fokussierung der Forschung zu entwickeln.“

Als „äußerst problematisch“ bezeichnen die Prüfer zudem teilweise die Vergabe von Geldern durch die Leitung, also auch durch Debatin. Bei einem Posten etwa, 17 Millionen, habe die medizinische Fakultät „scheinbar“ keinen Einfluss auf die Vergabe dieses für Forschung und Lehre bestimmten Betrages gehabt. Auch nach „mehrmaligen Nachfragen“ sei nicht klar geworden, wie diese Mittel eingesetzt werden.

Mit diesen Fragen einer Uniklinik muss sich Debatin bald nicht mehr beschäftigen. In Göttingen wird er übrigens unter einem bekannten Aufsichtsratschef arbeiten: Klaus Esser, der als Vorstandsvorsitzender von Mannesmann in eine der größten deutschen Übernahmeschlachten verwickelt war. Die 30-Millionen-Euro-Abfindung für Esser hatte im „Mannesmann-Prozess“ ein juristisches Nachspiel. Esser musste 1,5 Millionen Euro Bußgeld zahlen. Der scheidende Klinikchef Debatin kennt seinen Aufsichtsratschef und schätze ihn: „Herr Esser ist eine profilierte Unternehmerpersönlichkeit.“ Wer Nachfolger des UKE-Chefs wird, ist nach Abendblatt-Informationen noch offen. Fest steht nur, dass Debatin nach Göttingen pendeln wird und im HSV-Aufsichtsrat bleibt: „Hamburg bleibt mein Lebensmittelpunkt.“ (Ulrich Gaßdorf und Philip Volkmann-Schluck)

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