Wo die Gucci-Lederjacke nur 150 Euro kostet

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Second Herzog kauft Markenkleidung an und verkauft sie im Internet weiter (Bild: M. Rauhe)

Second Herzog kauft Markenkleidung an und verkauft sie im Internet weiter (Bild: M. Rauhe)

Der grau karierte Schal von Stephan Herzog, 44, harmoniert mit seiner Jacke, und auch die Frisur des dunkelhaarigen Mannes scheint alles andere als ein Zufallsprodukt zu sein. Herzog ist ein Mann der Mode, das sieht man jeder Faser an, die den Geschäftsführer von Secondherzog an diesem kalten Morgen in Eppendorf umgibt. Ja, er habe einen etwa 20 Quadratmeter großen, begehbaren Kleiderschrank mit ziemlich viel Auswahl, gibt er auf Nachfrage zu. „Aber wirkt das nicht ein bisschen komisch, wenn man das in der Zeitung schreibt?“, fragt der Hamburger. Doch Anela Franjkovic, 31, seine Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin, winkt lachend ab: „Das versteht vielleicht nicht jeder, aber unsere Kunden schon.“

Die Kunden der Modefirma Secondherzog sind vorwiegend Frauen, Fashionjüngerinnen, die edle Designerware von Marken wie Gucci, Prada oder Boss günstig kaufen oder zu fairen Preisen verkaufen wollen. Secondherzog macht den Kaufrausch für sie allerdings deutlich günstiger als beispielsweise die offiziellen Shops von Jil Sander oder Unger am Neuen Wall, wo schnell die Kreditkarte glüht. Der Trick: Secondherzog ist, wie der Name andeutet, ein Händler für gebrauchte Designerkleidung, Taschen, Schuhe und Sonnenbrillen. Der deutsche Marktführer im Internet, sagt Herzog.

Vor wenigen Tagen eröffnete das Hamburger Unternehmen ein repräsentatives, 240 Quadratmeter großes Geschäft zur Annahme von gebrauchten Textilien am Straßenbahnring in Eppendorf – es ist der vorläufige Höhepunkt einer einmaligen Erfolgsstory. Das Geschäftsmodell ist einfach: Wer sich an seiner rosafarbenen Chanel-Jacke sattgesehen hat, nach diversen Weihnachtsgänsen nicht mehr in den knallengen Lederrock hineinpasst oder meint, dass es für nackte Füße in Römersandalen allmählich doch zu kalt ist, bringt oder schickt diese Dinge einfach zu Secondherzog.

Stephan Herzog sortiert diese abgelegten Textilien dann nicht in seine private Sammlung ein, sondern bezahlt der Kundin einen bestimmten Geldbetrag für die Kleidung. Wie hoch dieser ist, bestimmt einer der 60 Mitarbeiter von Secondherzog im gut 1000 Quadratmeter großen Logistikzentrum in Lokstedt. Natürlich wird die Ware auch danach geprüft, ob es sich um Originale handelt, denn Kopien sind bei Secondherzog nicht im Sortiment, versichert Herzog. Der Ankaufpreis hänge dabei von der Marke, dem Zustand und der Aktualität der Ware ab. „Das ist sehr individuell“, sagt Anela Franjkovic, eine ebenfalls modebegeisterte Juristin, die bei der Firma das operative Geschäft managt.

Die Arbeit in der schnelllebigen Fashionszene ist manchmal knifflig: Waren die rund 300 Euro teuren Jeans von „7 for all mankind“ selbst bei Hollywood-Größen wie Nicole Kidman oder Cameron Diaz vor einigen Jahren noch begehrt wie ein Schluck Wasser in der Wüste, landeten sie jetzt bei Ebay für 15 bis 20 Euro in der Ramschecke. Ein solcher Ladenhüter ist dann auch für Secondherzog nicht sehr attraktiv und bringt der Kundin nur wenige Euro. Schließlich will sich Secondherzog von den Textilien ja auch gewinnbringend wieder trennen.

Der Verkauf erfolgt ausschließlich über Ebay. Mit 3000 bis 4000 eingestellten und verkauften Artikeln pro Woche, die alle professionell in Lokstedt fotografiert werden, führt Secondherzog dort nach eigenen Angaben die Liste der größten Secondhandanbieter an. Zwei Preisbeispiele: Eine Lederjacke von Gucci, Neupreis 2000 Euro, geht dort für 150 Euro an eine Käuferin. Eine Strickjacke von Jil Sander für ehedem 800 Euro bringt bei Ebay noch 50 Euro, nennt Anela Franjkovic einzelne Waren, die Secondherzog bei Ebay über Auktionen anbietet.

Dort profitiert Secondherzog seit seiner Gründung vor etlichen Jahren von steigenden Besucherzahlen: 16 Millionen Menschen kaufen heute bei Ebay. Sie sind naturgemäß eine größere Zielgruppe für die gebrauchte Chanel-Jacke, als wenn das Stück in einem stationären Secondhandladen – etwa nur in Hamburg – angeboten werden würde. Andererseits ist im Internet, wo Kleidung vor Medien und Elektronik die meistgehandelte Ware ist, die Transparenz für die Käufer enorm. Sie können bei inzwischen fünf Millionen privaten Verkäufern und 160 000 gewerblichen Anbietern die Preise vergleichen. Der Kauf bei professionellen Händlern hat den Vorteil, dass ein 14-tägiges Rückgaberecht für die Ware gilt. Bei Secondherzog ist die Retourenquote, die manche Textilhändler wirtschaftlich schon in die Knie gezwungen hat, allerdings übersichtlich: Schließlich sind die Teile größtenteils Einzelstücke. Was nicht passt, wird von der Kundin passend gemacht und meist nicht zurückgesendet.

Der neue Laden von Secondherzog in Eppendorf soll das Handelsvolumen der Hamburger nun noch erhöhen – zuvor hat die Firma gebrauchte Ware von Hamburgerinnen nur in einem kleinen Souterraingeschäft am Lehmweg angenommen, das inzwischen aus allen Nähten platzt. Schließlich kommt das Unternehmen in diesem Jahr bereits auf einen Umsatz von fünf Millionen Euro. Seit der Gründung 2004 hat sich der Erlös jedes Jahr um 30 bis 40 Prozent gesteigert, sagt Herzog. Der kontinuierliche Erfolg der beiden Modeliebhaber hat jetzt auch die Hamburger Bürgengemeinschaft dazu bewogen, Secondherzog bei der Investition in den neuen Standort zu unterstützen.

Allerdings soll es nicht bei dieser Expansion bleiben. Neben dem neuen Shop in Hamburg will Secondherzog jetzt auch in München eine Annahmestelle eröffnen. Auch diese Standortwahl am Rande der Alpen dürfte Stephan Herzog helfen, mal wieder Hobby und Beruf zu vereinen: Der Unternehmer fährt leidenschaftlich gerne Ski.

Melanie Wassink

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